Nah(rungs)aufnahme

Voices of Transition

Eigentlich möchte ich hier über unsere Biogemüsekiste schreiben, doch dafür muss ich etwas ausholen: Denn der Auslöser, endlich eine regionale Biogemüsekiste zu bestellen, war ein Flyer. Dieser Flyer wurde mir auf der Demo Wir haben es satt in die Hand gedrückt und er bewarb nicht etwa einen Lieferservice – wie man jetzt vielleicht annehmen könnte – sondern den Film Voices of Transition. Nachdem ich mir den Trailer dazu angesehen habe, bestellte ich diesen Film auf DVD. Der Monsieur und ich schauten uns die Dokumentation zusammen an und waren nachhaltig beeindruckt.

„Der Dokumentarfilm Voices of Transition zeigt anhand positiver Beispiele aus verschiedenen Ländern, wie wir unsere Felder und Städte auf die doppelte Herausforderung von Klimawandel und Erdölknappheit vorbereiten können.“ ¹

Diese 60-minütige Doku ist in drei „Teile“ strukturiert. Zunächst wird die Situation und die Problematik der industriellen Landwirtschaft erläutert und warum diese Art der Agrarindustrie nicht geeignet ist, in Zukunft die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Es wird erklärt, wie stattdessen aus leblosen Monokulturen wieder eine gesunde und ertragreiche Landschaft werden kann: weg von der Agrarindustrie hin zu nachhaltiger Agrarkultur und dezentraler Erzeugung. In diesem Film geht es definitiv mehr, als „nur“ um Bio!

Im Mittelteil erläutert der Film die Idee der Transition Towns (postfossile, relokalisierte Wirtschaft), der Permakultur und eines resilienten Systems. Es geht um regionale, unabhängige Lebensmittelversorgung, um Gemeinschaft, Eigenanbau und vieles mehr. Begründer dieser Initiative ist der britische Dozent und Umweltaktivist Rob Hopkins. Inzwischen ist Transition eine weltweite Bewegung und auch in Berlin aktiv.

Die urbane regionale Lebensmittelversorgung wird zum Abschluss der Doku am Beispiel von Kuba erläutert. Mit dem Zerfall der Sowjetunion war das Land aufgrund von Lieferengpässen genötigt Alternativen für seine zusammenbrechende Agrarindustrie zu finden. Heute ist Kuba Vorreiter für städtische Biolandwirtschaft.

Der Film hat bei mir – neben vielen neuen Informationen und Fakten – Themen wieder ins Bewusstsein gerückt, die einige Zeit ins Abseits geraten waren. Und eines davon war eben das Bedürfnis nach saisonal-regionalen Bioprodukten für die täglichen Lebensmittelversorgung. Dass es weitestgehend ökologisch und lokalwirtschaftlich nachhaltiger ist, beim Lebensmitteleinkauf regional-saisonalen Produkten den Vorzug zu geben, ist einleuchtend. Es ist mir auch nicht neu, dass Bio und Saisonal-Regional in Kombination, sowie der Einkauf so nah wie möglich am Erzeuger meist nachhaltiger ist, als Importware zu kaufen. Doch wie weitreichend das Thema damit Hand in Hand gehen kann, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen, das war mir so nicht bewusst.

„Unternehmen, deren »DNA« mit ihrem Ort oder ihrer Region verwoben ist, bringen mehr Nutzen. Sie liefern nicht nur Waren, die sie verkaufen, sondern auch die sozialen Verbindungen, die die Menschen vor Ort zusammenhalten. Sie bieten die Finanzressourcen, aus denen lebendige, vielfältige und daher resilientere Städte und Gemeinden erwachsen können. Und des Weiteren geben sie dem Ort ein Gefühl von Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit.“ Andrew Simms, New Economics Foundation ²

Um den Bogen zurückzuspannen zur Gemüsekiste: Ich habe endlich in Angriff genommen, was ich schon lange wieder wollte und wir bestellen nun seit ein paar Wochen eine regionale Biogemüsekiste. Da ich 2010 den Dottenfelderhof in Bad Vilbel besucht habe, weil wir dort Margarethe für unser Liebenswert-Buch fotografiert und interviewt haben, wusste ich bereits ein paar mehr Details über Demeter und biodynamische Landwirtschaft.
Dass es gar nicht weit weg von Berlin das Ökodorf Brodowin gibt und dass man dort auch nach den Demeter-Richtlinien wirtschaftet, habe ich im vergangenen Jahr von Kati erfahren und etwas später darüber auf Stil in Berlin gelesen. Und da Brodowin einen Ökokorb anbietet, war für mich klar, diesen möchte ich gerne ausprobieren.

Brodowiner Ökokorb

Vor Jahren im Rheingau hatte ich bereits eine Biogemüsekiste im Abo. Und genau das war das Problem: das Abo. Der Brodowin Ökokorb ist anders, denn es wird nur ausgeliefert, wenn man bestellt. Jedes Liefergebiet hat einen bestimmten Liefertag. Da ich aktuell viel im Home Office arbeite, ist es kein Problem für mich die Kiste vom Fahrer in Empfang zu nehmen.
Bei der Bestellung via Online-Shop kann ich zwischen den verschiedenen Ökokörben wählen. Ich bestelle aus oben beschriebenen Gründen immer den regionalen Ökokorb und bisher haben wir uns mehrfach über Gemüsesorten in der Kiste gefreut, die wir noch nie verarbeitet haben, wie z. B. Schwarzwurzel oder Topinampur.

Allerdings tausche ich durchaus Gemüse aus, von dem ich weiß, dass wir es nicht vertragen oder eher nicht verarbeiten werden. Das ist nämlich möglich bei dieser Kiste: Produkte raus streichen oder gegen andere tauschen. Auch beim Ersetzen der Ware achte ich auf Regionales das Saison hat, mache jedoch auch Ausnahmen. Woher die Ware kommt, ist im Online-Shop genau ausgezeichnet und auch mit welchem Biolabel sie zertifiziert ist, denn es ist natürlich nicht alles Demeter. Wie und wo genau die Ware wächst und produziert wird, die direkt aus Brodowin stammt, das wollen wir uns im Sommer bei einer Hofführung anschauen.

Bedingung für die Bestellung des Ökokorbs ist: Mindestbestellwert 15 Euro. Selbst wenn ich etwas aus dem Ökokorb ersatzlos herausstreiche, ist das Erreichen dieses Betrags für uns kein Problem, da ich gerne Brodowiner Eier und Milch mit dazu kaufe. Dass die Produkte nach Bio-Richtlinien angebaut und produziert werden, schlägt sich in einem höheren Preis nieder. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass wir uns aktuell den Einkauf dieser Produkte leisten können – eine Situation, die durchaus nicht immer so war oder ist.

Oekokorb

Es gibt natürlich noch weitere regionale Gemüsekisten-Angebote für Berlin. Da wäre der Lieferservice der Markthalle Neun, die den Lieferservice Regotopia übernommen hat. Ich bin noch auf die Märkische Kiste gestoßen und finde es sehr sympathisch, wie die Initiatoren in diesem Video ihr Business für ökologische Lebensmittel erklären.

Interessen an weitere Themen, die der Film „Voices of Transition“ und meine Auseinandersetzung mit dessen Inhaltsspektrum in Schwung gebracht hat, sind:

  • Gemüseanbau auf Balkonien
  • Landwirtschafts- und Versorgungsgemeinschaften (z.B. nach dem Prinzip der CSA – Communities Supporting Agriculture oder Gemeinschaftsgärten)
  • Transition Towns und die Transition Initiative
  • Postökonomie / Postwachstumsökonomie
  • Permakultur

Zum ein oder anderen dieser Themen werde ich bestimmt noch etwas schreiben, allein schon deswegen, weil es in meinem Kopf „rumspukt“. Während meiner Recherchen bin ich auf viele spannende Projekte gestoßen. Es ist faszinierend, wie viel sich in dieser Richtung in einer Millionenstadt wie Berlin und deren Umland dazu tut. Es macht Mut zu sehen, wie sehr die Thematik zahlreichen Menschen am Herzen liegt, dass das Interesse immer breiter wird, die Akzeptanz, das Bewusstsein für die Notwendigkeit und der Bedarf wächst. Über passende Tipps und Hinweise in den Kommentaren würde ich mich freuen!

¹ http://voicesoftransition.org/de/hintergrund/kurzfassung
² Aus Einfach. Jetzt. Machen!: Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen von Rob Hopkins, Seite 33, oekom Verlag München 2014

Weekend Pleasure #24

Lobetal / Lanke

Vorletzten Sonntag waren wir noch einmal wandern. Gestartet sind wir in Lobetal. Von dort aus ging es durch den Wald und am Uppstall-Fließ entlang zum Hellsee. Wir kamen an der Hellmühle vorbei und liefen bis nach Lanke. Entlang der anderen Uferseite des Hellsees ging es zurück, wieder durchs Uppstall und den Wald bis nach Lobetal. 13,5 km waren es diesmal und dazu eine gute Portion Sonnenschein.

Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke
Lobetal / Lanke